Bye, bye Jaro
Ein Abschied mit vielen Fragezeichen
"No! No! No! You're joking? No way." Das sind Worte eines Fans gegenüber The Canadian Press, der nicht glauben kann, was eine ganze Stadt nicht glauben kann. Die Montreal Canadiens haben in dieser Woche – Achtung, ich musste es auch mehrfach lesen – Jaroslav Halak nach St. Louis getradet. Und nicht nur ganz Montreal fragt sich, was das genau soll. Statt auf ihren Playoff-Hero (18 Spiele, 9 Siege, 2.55 GAA, .923 PCT, Quelle: tsn.ca) setzen die Canadiens in Zukunft lieber auf Carey Price, der bekanntlich gerne mal zwischen Gut und Böse hin und her schwappt. Sicherlich, auch mit einem Jaroslav Halak ist der Erfolg niemals garantiert, trotzdem gibt es kaum einen schlechteren Moment für ein "Good Bye" als jetzt. Halak zeigte schon während dieser Saison sehr gute Leistungen. Dazu führte er die Slowakei bei den Olympischen Spielen in Vancouver bis ins Halbfinale, die Canadiens in diesen Playoffs gar bis ins Conference Finale. Allein deshalb kommt es fast einem Affront gleich, Halak jetzt abzugeben. Ein Affront gegenüber Halak, seinen gezeigten Leistungen und allen Fans in Montreal. Halak war es, der in der kanadischen Metropole eine wahre Manie auslöste, indem er Ovechkin, Crosby und Co. das Fürchten lehrte. Und nun also St. Louis? You’re joking?
Was sind also die Gründe für diesen Schritt? Eine altersbedingte Entscheidung? Davon lässt sich kaum sprechen. Definitiv geht der Trend heutzutage auch in der NHL zu jungen Spielern mit viel Potential wie Price, der in diesem August 23 Jahre alt wird. Aber Halak ist vor Kurzem gerade erst 25 Jahre alt geworden. Und fehlendes Potential kann man ihm wohl ja mit Sicherheit nicht unterstellen. Also noch mal die Frage: Warum? Weil Price eine Identifikationsfigur in Montreal ist und Halak nur der Aushilfsgoalie? In den Playoffs 2009 klatschten die Fans der Canadiens im vierten Spiel gegen Boston Carey Price hämisch vom Eis. Jaroslav Halak hätte man in den letzten Wochen zum König gekrönt, wenn Montreal so etwas hätte. Man könnte natürlich auch annehmen, die Canadiens hätte Halak für einen Wahsinns-Trade "geopfert". Ein heldenhafter Abgang also? Nein, auch das ist keine vernünftige Erklärung. Denn was gab es im Austausch für den großen Slowaken? Einen kleinen Dänen und einen kleinen Kanadier. Lars Eller und Ian Schultz. Entsprechend keinen weiteren Kommentar von mir. Stattdessen noch ein weiteres Statement eines Fans aus Montreal gegenüber The Canadian Press: "After a great season where he brought us where we got, it's incomprehensible."
Geschockt von alldem, was sich gerade in Montreal abspielt, hätte ich fast vergessen, was sich dieses Wochenende rund um unsere Flames abgespielt hat. Keine dicken Trades, keine Fan-Proteste, dafür aber zwei nicht einfache Spiele in der Fremde. Und das vorweg, die Gefühle danach waren gemischter Natur. Zunächst feierte unser Team am Samstag den zehnten Sieg im zehnten Spiel. Ich bleibe dabei, eine schon jetzt großartige Leistung und eine Steigerung im Vergleich zur letzten Saison, wo man am Ende neun Siege auf dem Konto hatte. Da sollte es einem auch nicht die Schuhe ausziehen, wenn man sich jetzt mit dem Spiel am gestrigen Sonntag beschäftigt. Da setzte es für die Flames nun auch ganz offiziell die erste Neiderlage in dieser Saison, nachdem gegen Lübeck ja der Grüne Tisch in aller höchster Not gerettet hatte. Man könnte sich jetzt von diesem ersten kleinen "Rückschlag" runterziehen lassen. Tun wir aber nicht. Stattdessen freuen wir uns lieber über die bisherigen zehn Siege und schauen geradewegs nach vorne.
Optimistische Grüße,
Euer Alex
WM-Notiz:
Wie viele Liter französischen Wein braucht man, um sich die Situation der Franzosen bei der WM schön zu trinken? Eine unbestimmbare Zahl. Sie dürfte aber definitiv größer sein als der Durchschnitt. Die französische Fußballnationalmannschaft steckt in einer echten Krise. Keiner in Frankreich mag Trainer Raymond Domenech, schon gar nicht die Mannschaft. Dürftige bis blamable Auftritte gegen Uruguay (0:0) und Mexiko (0:2). Rauswurf von Nicolas Anelka. Trainingsboykott und Rücktritt des französischen Delegationsleiters. Da sag noch irgendeiner, wir hätten nach der Niederlage gegen Serbien Probleme. Da sag noch einer, das 1:1 gegen Neuseeland sei für die Italiener ein peinliches Ergebnis. Selbst die 0:1-Niederlage der Spanier gegen die Schweiz ist da ja eine reine Nebensächlichkeit. Man kann da wirklich einfach nur sagen: Armes, armes Frankreich.
|